Elternunabhängiges BAföG beantragen

Wann bekomme ich Elternunabhängiges BAföG? Wenn Du den zweiten Bildungsweg einschlägst oder "zu alt" bist, hast Du die Chance auf BAföG unabhängig vom Einkommen Deiner Eltern. Wir erklären Dir, wie das geht!

Die Höhe Deiner BAföG Förderung ist abhängig von Deinem eigenen Einkommen und Deinem Besitz, aber auch sehr entscheidend vom Einkommen Deiner Eltern.Jedoch gibt es auch Situationen, in denen das Einkommen Deiner Eltern bei der Berechnung des BAföGs nicht relevant ist. Dieser Fall nennt sich Elternunabhängiges BAföG und ist unabhängig von dem, was Deine Eltern verdienen. Nur Dein eigenes Einkommen wird bei diesem Fall in die Berechnung Deines Höchstsatzes beim elternunabhängigen BAföG einbezogen.

Elternunabhängiges BAföG gibt es als StudentenBAföG oder als SchülerBAföG, z.B. für Dein Abitur auf einem Abendgymnasium. Wann und wie Du elternunabhängiges BAföG erhältst, erklären wir Dir im Folgenden:

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Was ist der Vorteil von elternunabhängigem BAföG?

Praktisch am elternunabhängigem BAföG ist, dass Du – auch wenn Deine Eltern gut verdienen – mit einer hohen Förderung rechnen kannst. Denn dann wird nur Dein eigenes Einkommen und Besitz in die Berechnung der Förderung einbezogen. Auch wenn Deine Eltern für das normale BAföG zu viel verdienen, hast Du so Chancen auf den Höchstsatz!

Wer hat Anspruch auf elternunabhängiges BAföG?

Einen Anspruch auf eine Förderung, die unabhängig vom Einkommen Deiner Eltern ist, hast Du, wenn Dein Studium aus bestimmten Gründen nach hinten verschoben hast, z.B. durch eine vorherige Erwerbstätigkeit. Natürlich hast Du auch Anspruch auf elternunabhängiges BAföG, wenn Deine Eltern gestorben oder nicht auffindbar sind.

Grundsätzlich muss zunächst zwischen elternunabhängigem BAföG für Student*innen und für Schüler*innen unterschieden werden. Wir erklären die Voraussetzungen:

Elternunabhängiges BAföG, wenn Du eigentlich „zu alt“ bist – BAföG ab 30

Grundsätzlich bekommst Du BAföG nur, wenn Du bei Beginn Deines Ausbildungsabschnitts unter 30 Jahre alt, beim Master unter 35 Jahre alt bist.

Es gibt jedoch einige Ausnahmefälle, die persönlich oder familiär sein können. In diesen Ausnahmefällen bekommst Du dann elternunabhängiges BAföG.

Fachhochschul- oder Hochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg

Ein Grund dafür, dass Du BAföG bekommst, auch wenn Du über 30 bist, wäre, dass Du die Fachhochschule- bzw. Hochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg erlangt hast und dadurch älter als 30 bist. Dies passiert z.B. wenn Du ein Kolleg oder Abendgymnasium besucht hast, um Dein Abitur zu machen. In diesem Fall musst Du aber direkt nach der Hochschulreife mit dem Studium beginnen.

Hochschulreife durch berufliche Qualifikationen

Auch wenn Du die Hochschulreife durch Deine beruflichen Qualifikationen erlangst, darfst Du für elternunabhängiges BAföG über 30 Jahre alt sein.

Persönliche Gründe für elternunabhängiges BAföG

Allerdings gibt es auch persönliche und familiäre Gründe, durch die Dein Studium nach hinten verschoben werden kann. Darunter fällt z.B.

  • die Kindererziehung und Schwangerschaft,
  • die Betreuung behinderter oder hilfebedürftiger Kinder,
  • eine Erkrankung oder Behinderung,
  • das Durchfallen im Auswahlverfahren oder
  • eine mindestens 8-jährige Dienstzeit bei Bundeswehr oder Polizei, die Du vor Deinem 23. Lebensjahr begonnen hast.

In diesen Fällen hast Du die Chance auf elternunabhängiges BAföG.

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Elternunabhängiges BAföG, wenn Du vor dem Studium gearbeitet hast

Du warst zwischen Deinem 18. Geburtstag und dem Beginn Deines neuen Ausbildungsabschnitts schon erwerbstätig, hast also gearbeitet? Dann hast Du die Chance auf Elternunabhängiges BAföG.

Darunter fällt, wenn Du bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen hast und danach gearbeitet hast. Bei einer zweijährigen Ausbildung musst Du 4 Jahre gearbeitet haben, bei einer dreijährigen Ausbildung 3 Jahre. Dein durchschnittlicher Bruttolohn muss dabei 478,80€, bzw. 778,80€ (wenn Du nicht zuhause gewohnt hast), betragen haben. Eine frühere Erwerbstätigkeit bietet Dir somit die Chance, unabhängig vom Einkommen Deiner Eltern BAföG zu beantragen.

Ausbildungszeit Erwerbstätigkeit nach der Ausbildung Durchschnittlicher Bruttolohn
2 Jahre 4 Jahre 478,80 €, wenn Du bei Deinen Eltern gewohnt hast

778,80€, wenn Du nicht zuhause gewohnt hast

3 Jahre 3 Jahre 478,80 €, wenn Du bei Deinen Eltern gewohnt hast

778,80€, wenn Du nicht zuhause gewohnt hast

Als Erwerbstätigkeit gilt Vollzeitarbeit, Teilzeitarbeit oder selbstständige Arbeit. Du musst nicht zwangsweise fünf Jahre am Stück gearbeitet haben. Als Erwerbstätigkeit gelten in diesem Fall allerdings keine Ferienjobs.

Ein Beispiel zu: Erwerbstätigkeit und elternunabhängiges BAföG

Lisa hat nach ihrem Abitur zunächst eine Ausbildung als Bürokauffrau gemacht und danach in dem Betrieb noch 3 Jahre gearbeitet. Im Schnitt lag ihr Lohn bei 1.200€ brutto in den sechs Jahren. Nun ist sie 26, möchte sich weiterbilden und in München BWL studieren. Aufgrund ihrer Erwerbstätigkeit kann sie elternunabhängiges BAföG beantragen!

Welche Tätigkeiten werden beim elternunabhängigen BAföG noch angerechnet?

  • Wehr- oder Zivildienst
  • freiwilliges soziales Jahr
  • Bundesfreiwilligendienst
  • Haushaltstätigkeit im eigenen Haushalt mit einem behinderten oder auf Hilfe angewiesenes Kind unter 10 Jahren
  • Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Krankheit
  • gesetzlicher Mutterschutz
  • Erwerbsunfähigkeit
  • Maßnahmen zur medizinischen oder beruflichen Rehabilitation
  • Maßnahmen zu beruflichen Weiterbildung (§§ 77 ff. SGB III)
  • Leistungen wie Arbeitslosengeld 1 oder Krankengeld empfangen, die 100% des Bedarfssatzes entsprachen (ALG 2 zählt hier nicht rein)
  • Arbeitslosigkeit (nur, wenn Du während dieser Zeit keine Ausbildung gemacht hast, die BAföG förderungswürdig war)

Du hast schon einmal studiert, das Studium abgebrochen und im Anschluss fünf Jahre gearbeitet? Dann gilt Dein neues Studium als neuer Ausbildungsabschnitt. Bei einem zweiten Studium hast Du also die Berechtigung für elternunabhängiges BAföG.

BAföG und der zweite Bildungsweg – Elternunabhängiges SchülerBAföG

Dein Abi kannst Du nicht nur auf einem Gymnasium oder einer Gesamtschule erzielen, sondern auch auf einem Abendgymnasium oder Kolleg. Beim Abitur auf dem zweiten Bildungsweg bekommst Du somit elternunabhängiges BAföG! Das Ziel Deines Schulbesuchs muss das Abitur sein.

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Du willst danach noch studieren? Dann wirst Du wahrscheinlich nicht noch einmal elternunabhängig gefördert und musst einen neuen Antrag auf BAföG stellen. Je nach Deiner Situation wirst Du dann „ganz normal“ gefördert oder unabhängig von Deinen Eltern. Mehr Infos zu Deinem Anspruch findest Du im Text über den BAföG-Anspruch.

Deine Eltern sind nicht auffindbar, Du kennst Deine Eltern nicht oder bist Vollwaise?

Normalerweise musst Du beim Ausfüllen Deines BAföG-Antrags Angaben zu Deinen Eltern und deren Einkommen machen. Manchmal gibt es allerdings den Fall, dass Deine Eltern nicht auffindbar sind. Ein Beispiel dafür wäre, dass Du Deine Eltern nicht kennst und auch Nichts über ihren Aufenthaltsort herausfinden kannst.

Du musst dem BAföG-Amt dann schriftlich versichern, dass Du den Aufenthaltsort Deiner Eltern nicht kennst, Du keine Kontaktperson zu Deinen Eltern kennst und keinen Unterhalt von ihnen  bekommst. Denn dann wirst Du unabhängig von Deinen Eltern mit der staatlichen Förderung BAföG gefördert.

Leider gibt es natürlich auch den Fall, dass Deine Eltern verstorben sind und Dich deshalb nicht mehr finanziell unterstützen können. Natürlich hast Du dann auch Anspruch auf Elternunabhängiges BAföG. Deine Waisenrente wird dann allerdings angerechnet und Du musst sie im BAföG-Antrag angeben.
Hier Anspruch auf Elternunabhängiges-BAföG prüfen!

In diesen Fällen kannst Du elternunabhängiges BAföG beantragen und das Einkommen Deiner Eltern bleibt unbeachtet.

Wie viel Geld bekomme ich beim elternunabhängigem BAföG?

Beim elternunabhängigem BAföG liegt der Höchstsatz – genau wie beim normalen BAföG – bei 861€, für Schüler bei bis zu 832€. Die genaue Förderung ist abhängig von Deinen persönlichen Lebensverhältnissen.

Das BAföG-Amt ermittelt für Dich einen persönlichen BAföG-Höchstsatz. Dafür gibst Du bei Deinem BAföG-Antrag an, welches Vermögen Du besitzt, welches Einkommen Du im Bewilligungszeitraum haben wirst (z.B. durch einen Nebenjob während Deines Studiums), welche Ausgaben Du hast, wie viele Geschwister Du hast und (normalerweise) wie viel Deine Eltern verdienen.

Beim normalen BAföG-Antrag ermittelt das BAföG-Amt dann, ob Deine Eltern in der Lage sind, Dich selbst finanziell zu unterstützen oder ob Du eine staatliche Förderung bekommst.

Beim Elternunabhängigen BAföG fällt die Frage nach dem Einkommen und Vermögen Deiner Eltern weg, da deren finanzielle Situation nicht in die Berechnung Deines BAföG-Höchstsatzes einbezogen wird. Auch der Geschwister-Freibetrag, der normalerweise vom Einkommen der Eltern abgezogen wird, fällt damit weg. Aber keine Angst: Deine Geschwister sind Dir gegenüber nicht unterhaltsverpflichtet. Beim Elternunabhängigen BAföG wird das Einkommen Deiner gesamten Familie nicht berücksichtigt.

Was wird beim elternunabhängigem BAföG angerechnet?

Beim elternunabhängigen BAföG werden Deine persönlichen Vermögenswerte und Dein Nebenjob angerechnet. Du darfst bis zu 8.200€ Vermögen besitzen und bis zu 451,82€ (wie bei einem Minijob) verdienen.

Hier erfährst Du mehr über die Anrechnung Deines Einkommens und Vermögens.

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Anspruch auf Elternunabhängiges BAföG, wenn ich verheiratet bin?

Natürlich kannst Du Elternunabhängiges BAföG bekommen, wenn Du verheiratet bist. Allerdings musst Du dann angeben, wie viel Deine Partnerin, bzw. Dein Partner verdient. Je höher das Einkommen Deines Partners ist, desto geringer wird Dein BAföG-Höchstsatz. Denn der Staat geht davon aus, dass dann Deine Partnerin oder Dein Partner Dich finanziell bei Deinem Studium oder Deiner Schulausbildung unterstützen kann. Diese Regelung gilt übrigens genauso beim „normalen“ BAföG.

Wann muss ich elternunabhängiges BAföG zurückzahlen?

5 Jahre, nachdem Deine Regelstudienzeit vorbei ist, musst Du die Förderung, die Du vom Staat bekommen hast, wieder zurückzahlen. Allerdings beschränkt sich die Rückzahlung beim elternunabhängigen BAföG auf die Hälfte der Förderung (die andere Hälfte bekommst Du als Geschenk). Außerdem ist die Rückzahlung gedeckelt auf 10.000€.

50% Deiner Förderung bekommst Du also als zinsfreies Darlehen vom Staat, die anderen 50% sind ein Geschenk und eine Unterstützung vom Staat.
Diese Rückzahlungs-Regeln gelten für Studenten und für das AuslandsBAföG.

SchülerBAföG gibt es als Vollzuschuss, es muss also nicht zurückgezahlt werden!!!!

Alle weiteren Regeln zur Rückzahlung, z.B: wann kommt der Bescheid auf Dich zu, Infos zur Freistellung und zur Stundung der BAföG-Rückzahlung und ein Trick zur kompletten Rückzahlung Deiner BAföG-Förderung findest Du in unserem Artikel zur BAföG-Rückzahlung.

Welchen Antrag muss ich für elternunabhängiges BAföG stellen?

Beim elternunabhängigen BAföG musst Du den gleichen Antrag stellen, wie beim normalen BAföG, nur ein paar Formblätter sind anders.

Besonders einfach machst Du es Dir, wenn Du den Antrag auf BAföG über unser Tool meinBafög stellst.

Wir zeigen Dir dann nur die Formblätter an, die für Dich relevant sind. So kommst Du in der Flut der Formblätter nicht durcheinander. Zudem erhältst Du am Ende eine genaue Liste der Dokumente, die Du für den Antrag brauchst.

Welche Formblätter brauche ich für den Antrag auf elternunabhängiges BAföG?

Für den Antrag auf elternunabhängiges BAföG brauchst Du die gleichen Formblätter wie für den normalen Antrag. Dazu kommt allerdings ein Schreiben, in dem Du – falls Deine Eltern nicht auffindbar sind – erläuterst, wie Deine Situation genau aussieht. Dieses Schreiben generieren wir Dir am Ende Deines Antrags.

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